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Alien: Covenant
#1
Hier meine Kritik zu dem Film:

Es gibt zwei unterschiedliche Bewertungen von „Alien: Covenant“. Die Einen sehen darin ein philosophisches Meisterstück tiefgründiger Fragestellung, das eine tolle Verbindung zu der ursprünglichen Reihe herstellt und ebenso „Prometheus“ würdig ist. Die Anderen verurteilen ihn als kommerziellen Langweiler ohne bahnbrechende Ideen und mit einer läppischen Unentschlossenheit zwischen alt und neu, zwischen Kunst und Trash.
Die Wahrheit verbindet beide Ansichten, denn beide haben teilweise recht und teilweise unrecht.
Ein langweiliger Film ist es nicht, denn es gibt keinen langweiligen Film in der mittlerweile 8 Filme umfassenden Reihe von Alien-Kinofilmen. Alle sind gut und heben sich gerade dadurch aus der Masse heraus, daß jeder Teil einen anderen Stil hat. Kein Teil präsentiert in typischer Mainstream-Manier (á la „Fluch der Karibik“, „Transformers“ oder „Iron-Man“) in jedem Werk genau den gleichen und glattgebügelten Stil.
Die Reise der „Covenant“ bietet also eine Menge Spannung, hervorragende Bilder (auch wieder in Bezug auf beeindruckende Landschaften, wie der Vorgänger), 1-A-Effekte, überzeugende Schauspieler. Soweit nichts Ungewöhnliches für Hollywood, wobei man sich heute über jeden Film freut, die keine verwackelten Bilder liefert, weil diese Unsitte zwischen 2000 und 2017 extrem um sich gegriffen hatte.
Eine gewisse Härte ist auch gegeben, aber leider ist man dabei nicht wirklich mutig. Zu sehr halten die Produzenten den Ball flach um auch ja keine zu hohe Altersfreigabe zu verschulden. Ganz besonders fällt dies bei den zahlreichen Schüssen auf die Aliens auf. Die Biester bewegen sich zu schnell, sodaß man gar nicht sehen kann, ob und wie eines getroffen ist. Sie müssen ja nicht so lhm sein, wie Plastikmonster aus billigen B-Pictures der 60er oder 80er Jahre, aber ein wenig langsamer hätte dem optischen Genuß gut getan. Obwohl auch dies ohne etwas Mumm in den Knochen bei Regie und Produktion wenig hilft. In einer Szene steht ein Alien nämlich ganz ruhig da und bekommt mehrere Volltreffer. Beim Fangschuß wird weggeblendet auf einen Menschen und als man eine Minute später den Kadaver zeigt, hat das Alien nicht eine sichtbare Verletzung. Das ist schwach und unbefriedigend. Wenn man mit einem Neuen Teil etwas verbessern will, dann reicht dazu nicht nur philosophisches Gerede, sondern man sollte auch im Punkte des Gezeigten Türen öffnen. Bei solchen Geschoßtreffern aus nächster Nähe hätte ich deutlichste und Säureblut sprudelnde Einschläge in den Körper der Bestie gezeigt. Kein doofen Zeitlupen, aber Echtzeit in Großaufnahme abgewechselt mit Aufnahmen aus mittlerer Entfernung. Damit hätte man dann auch die etwas zu schnellen Treffersequenzen im (wesentliche besseren „Aliens 2“ toppen können).
Auch aus der Axtszene hätte man mehr machen können. Ferner könnte das Zusammenspiel von vorschnellendem Innenkiefer und freßendem Außenkiefer richtig gezeigt werden in dem Sinne, daß der Innenkiefer den Menschen heranzieht und Außenkiefer dann Fleisch zerschneidet.
Was die mitunter gerühmte Philosophie angeht, so ist es zwar interessant das Risiko des Größenwahns durch die Fähigkeit des Erschaffens zu beleuchten, aber dennoch verkommt der Film dadurch zu einer Seelenanlyse des einen Androiden anstatt die größeren Fragen zu beantworten, die „Prometheus“ aufgeworfen hatte.
Die Erwartungshaltung, mit der uns „Prometheus“ entließ, war wirklich gigantisch, da Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) mit dem zerlegten Androiden David (Michael Fassbender) in einem Raumschiff der SpaceJockeys (auch „Konstrukteure“ genannt) zu deren Heimatplaneten aufbrach, um Antworten zu erhalten. Auf diese Antworten und die Kommunikation zwischen den beiden Erdlingen und den Außerirdischen war man unendlich gespannt. Daraus hätte ich sich in einer direkt anschließen Fortsetzung ein knisterndes Szenarium entwickeln lassen, bei dem Shaw die Konstrukteure mit der tödlichen biologischen Ladung erpresst ihr reinen Wein einzuschenken. Dazu hätte man aber eine wirklich neue Philosophie gebraucht, die dann eine ganz ungewohnte Sichtweise der Konstrukteure auf viele Dinge freigibt. Um diese Schwierigkeit etwas wirklich Bahnbrechendes und Tiefgründiges zu offenbaren, drückt sich „Alien: Covenant“ feige herum und handelt das Begegnungszenarium in einem 5-Minuten-Rückblick auf die erbärmlichste und einfallsloseste Art ab, nämlich in unphilosophischer Ausrottung, die noch dazu extrem dämlich inszeniert ist, weil die SpaceJockeys wie eine Hammelherde staunend auf dem Marktplatz versammelt sind. Statt großartiger und intelligenter Konfrontation nur ein lustloses „Bringen wir die Sache mit den Konstrukteuren schnell hinter uns, bevor einer merkt, daß uns nichts Weltbewegendes eingefallen ist“.


Auch die Besetzung ist nicht weltbewegend. Zwar spielt keiner schlecht, aber zu Verkrampft ist die Herangehensweise an die Personenstruktur. Markante Typen dürfen gar nicht hinein, weil ja die Alien-Viecher und die Androiden David und Walter die Hauptfiguren sein sollen. Die Menschen sind nur dummes Kanonenfutter für die Bestien, und dumm meine ich dabei im wörtlichen Sinne. Wer sich schon bei „Prometheus“, „Alien 1“ und „Alien 3“ über dummes Verhalten aufgeregt hat, der wird bei „Alien: Covenant“ wahrscheinlich einen Tobsuchtsanfall bekommen. So extrem dämlich und kindisch, wie sich die meisten Besatzungsmitglieder verhalten, können doch Menschen der Zukunft gar nicht sein, oder herrscht auf der Erde mittlerweile „Idiocrazy“? Sie wirken so, als wenn man ihnen schnell einen 30-Minuten-Crash-Kurs über die Raumfahrzeuge gegeben hätte und dann ab ins All auf eine jahrelange Mission zur Neubesiedlung eines Lichtjahre entfernten Planeten. Nicht mal vernünftige Ärzte sind an Bord – zumindest keine, die sich wie Ärzte verhalten.
Dazu kommt noch, daß es peinlich ist, wie krampfhaft man eine möglichst unweibliche Frau zur Hauptrolle erklärt hat, die als einzige der Frauen nicht gut aussieht und auch einfach unfähig wirkt. Dies nur allein deswegen, weil in Alien 1 – 4 mit Ripley und Prometehus mit Shaw eine sachliche Frau die Hauptfigur war. Es wäre an der Zeit gewesen, nach den hemdsärmeligen und weichlichen Männern aus „Prometheus“ und den Trotteln aus „Alien 3“ als wirkliche Neuerung mal einen sehr intelligenten, selbstbewußten und gutaussehenden Mann in die Hauptrolle zu packen. Ja, ein James Franco wäre dort besser aufgehoben als in einem Rückblickspot.


Was hat man eigentlich von diesem Film? Leute, die größtenteils unsympathisch sind, überwiegend dämlich hoch drei…Aliens, die immer noch nicht genau genug zu sehen sind…die auch unrealistisch schnell wachsen (Heranreifen vom Staubkorn zum 50cm Vieh in Minuten)…Härte, die nur in Ansätzen besteht, aber nix rausreißt…Action in schwindelnder Höhe wie in fast jedem Blockbuster…ein Fünkchen Sinnlichkeit, das aber auch nicht zelebriert wird …und viel viel Geschwafel der Androiden. Manchmal ist der uninspirierte Versuch Tempo zu machen und zu philosophieren fast witzig. Wenn ein Mensch dem Roboter eine hochgeistige Frage stellt, während er den Alien-Embrio schon in sich hat, bricht die Vieh direkt nach dem letzten Wort der Frage aus den Brustkorb und tötet den Menschen. Was haben wir als Nächstes zu erwarten? Transformers, die während eines Kampfsprunges ballernd Shakespeare zitieren?


Insgesamt ein sehbarer Film, dieser „Covenant“, der in eine gute SciFi-Sammlung gehört, aber zugleich auf eine Riesenenttäuschung, die sichtbar macht, WIE gut „Prometheus“ im Vergleich dazu war.
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Alien: Covenant - von HansBishop - 12.06.2017, 13:32

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